Wenn du dich kostenlos registrierst kannst du neue Themen verfassen, an Umfragen teilnehmen und vieles mehr. Falls Du bei der Registrierung oder Anmeldung Probleme hast, dann kontaktiere uns.
 |
04.02.2010, 14:12
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #1 (permalink)
|
|
Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Octopus's Garden
Beiträge: 543
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues
Taschenbuch: 221 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (22. Dezember 2008)
Sprache: Deutsch
Inhalt:
Dieser Roman schildert aufs Eindringlichste die schauerlichen Erlebnisse des Soldaten Paul Bäumer an der Westfront des Ersten Weltkrieges, wo sich Deutsche und Alliierte in einem grausamen Grabenkrieg gegenüberstanden. Aber eigentlich sind Schauplatz und Zeit bedeutungslos, beherrschend ist das sinnlose Töten und die zu reinem Menschenmaterial degradierten Soldaten, die schon lange den Glauben an den "gerechten Krieg" aufgegeben haben. Hier ist kein Platz für klischeehaft mutige Helden, Verlierer sind sie letztlich alle, die da im Schlamm der Schützengräben liegen.
(amazon)
Meine Meinung:
Viel hat man Remarque vorgeworfen, von Wehrdienstzersetzung, dem Verderben der Jugend und der Verunglimpfung deutschen Heldentums bis zur bewusst neutralen und unpolitischen Haltung. Die Geschichte von Paul Bäumer und seinen Schulkameraden, die (anders als Remarque selbst) von der Kriegsbegeisterung und übereifrigen Lehrern gepackt zunächst in einen Kasernenhof und dann an die Front beordert werden, berührt tief. Die lakonische Sprache, mit der Remarque die Gräuel des Krieges schildert, trägt nur umso mehr dazu bei, dass wir uns hineinversetzen in eine Situation, die nur noch von Todeskampf und Überlebenswillen geprägt ist.
Ich bin schon vor Beginn der Lektüre von mehreren Seiten gewarnt worden: Es sei schwer verdaulich, furchtbar, grauenerregend. Ja, das ist es. Aber das musste es sein. Sowohl für Remarque selbst und eine Generation, die sich in seinen Schilderungen mit all ihren Erinnerungen wiederfanden als auch für die authentische und wahrheitsgetreue Schilderung des Krieges an sich.
Man kann Remarque sicherlich den Vowurf machen, zu all den nach der Veröffentlichung 1928 entbrennenden Debatten und Diskussionen geschwiegen und sich politisch nicht positioniert zu haben. Man kann kritisieren, dass er seine Soldaten nicht über ihr eigenes Tun reflektieren lässt, das "führe in den Abgrund", denkt Bäumer und belässt es dabei.
Was man aber in keinem Falle bestreiten kann, ist, dass dieses Werk so eindrücklich ist, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Nicht etwa aus Sensationslüsternheit, sondern in dem Bewusstsein, hinzuschauen und zu verstehen, was Krieg bedeutet. Außerhalb des Geschichtsunterrichts. Mir hat es, trotz einiger Kritikpunkte an Remarques Umgang mit seinem Werk, sehr gut gefallen .. so man denn etwas Derartiges sagen kann, ohne zynisch zu klingen.
|
|
|
04.02.2010, 19:11
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #2 (permalink)
|
|
Buchbinder
Registriert seit: 15.11.2009
Beiträge: 187
|
Hallo Maya,
ich finde, deine Rezension trifft den Inhalt des Buches und seine Wirkungen sehr gut. Im November habe ich das Buch auch gelesen und kann Dir hier nur zustimmen: Wer nach dem Lesen noch Lust auf Krieg verspürt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Einen Punkt mag ich dennoch ergänzen, der mir in vielen Rezensionen fehlt: Nämlich Remarques schwankender Schreibstil, der mich des Öfteren aus dem Lesefluss geworfen hat. Ich hatte den Eindruck, je nach Tagesform lief es bei ihm besser oder schlechter. Mal schrieb er recht trivial, dann wieder einen gehobenen Stil und gegen Ende nutzt er eine Art "philosophierende Ausdrucksweise". Was natürlich den Inhalt nicht schmälert, der mir ziemlich an die Nieren ging, obwohl ich die Filme bereits mehrere Male gesehen habe.
Wie hast du seinen Stil empfunden?
Viele Grüße
Dieter.
Geändert von Dieter (05.02.2010 um 13:29 Uhr)
|
|
|
05.02.2010, 00:00
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #3 (permalink)
|
|
Leseschüler
Registriert seit: 11.09.2009
Beiträge: 60
|
Also als das Buch hab ich mal vor ein paar Jahren gelesen, aber fands nicht ganz so umwerfend, aber die amerikanische Film-Adaption ist äußerst gut gelungen. Sie zeigt sehr eindrücklich die Schrecken und die Sinnlosigkeit von Krieg und Zerstörung, aber auch, dass einfache Soldaten an der Front eben nicht für ein "Vaterland" sterben, sondern schlicht und ergreifend von ihren machtbessenen und feigen Oberen verheizt werden.
Vermutlich sollte ich mir aber den Roman noch mal vornehmen, mal sehen, ob es diesmal ein intensiveres Leseerlebnis würde...
|
|
|
05.02.2010, 08:58
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #4 (permalink)
|
|
Super-Moderator
Registriert seit: 12.02.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 3.564
|
Ich habe den Roman auch eher wegen seiner Eindringlichkeit und politischen Brisanz in Erinnerung, als wegen herausregender literarischer Qualitäten. Es ist eher ein wichtiges, als ein gutes Buch!
|
|
|
05.02.2010, 16:44
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #5 (permalink)
|
|
Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Octopus's Garden
Beiträge: 543
|
Zitat:
|
Wie hast du seinen Stil empfunden?
|
Auch als sehr unstet. Ab und an schießt er mit seinen Metaphern und Bildern etwas über's Ziel hinaus, beispielsweise mit Zitronenfaltern auf Totenschädeln. Das wirkt eher merkwürdig bis befremdlich als dass es die Stimmung kreiert, die Remarque vielleicht beabsichtigt hat.
Zitat:
|
Ich habe den Roman auch eher wegen seiner Eindringlichkeit und politischen Brisanz in Erinnerung, als wegen herausregender literarischer Qualitäten.
|
Nun, von herausragenden literarischen Qualitäten habe ich auch nicht gesprochen. Die finden sich bei Remarque sicher nicht. Aber für mich gehört diese Eindrücklichkeit in der Schilderung schon zu literarischer Qualität. Es mag alles lapidar klingen und in sechs Wochen dahingeschrieben worden sein, dennoch halte ich einige Metaphern (bspw. beim Sterben Kemmerichs, " das Skelett arbeitet sich durch") für sehr gelungen. Das zeugt, meines Erachtens, schon von einem gewissen Talent. Ob man es nun für herausragend halten will oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. (;
|
|
|
05.02.2010, 16:59
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #6 (permalink)
|
|
Super-Moderator
Registriert seit: 12.02.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 3.564
|
So habe ich deine Rezension auch nicht gelesen. Die meisten Klassiker haben ihren Status ja aufgrund ihrer (angenommenen) literarischen Qualität gewohnen. Ich denke, dass ist bei Im Westen nichts Neues ein bißchen anders, auch wenn ich damit nicht sagen will, dass er vollkommener Schund sei. Und den Mut Krieg auf diese Art darzustellen, gilt es zu würdigen.
|
|
|
05.02.2010, 17:37
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #7 (permalink)
|
|
Bücherwurm
Registriert seit: 20.01.2008
Ort: Mitte Deutschlands (Rhön)
Beiträge: 561
|
Ich kenne auch nur die beiden Filme und fand sie beide sehr erschütternd.
Das Beispiel mit dem Zitronenfalter auf dem Totenschädel hat damals vielleicht eine etwas andere Bedeutung für die Leser gehabt.
Heute ist man durch solche Darstellungen im Horror und Hevey Metal Bereich schon etwas daran gewöhnt. Damals hat so was vielleicht noch mehr schockiert.
Ich habe mal ein Buch von Kriegserlebnissen gelesen von einem Soldaten der hiess "Reese".
Er hatte als einfacher Soldat seine Erlebnisse unmittelbar nach dem erleben aufgeschrieben. Dadurch wurden seine Aufzeichnungen als besonders authentisch angepriesen.
Vielleicht sollt ich mal ne Rezi versuchen.
|
|
|
06.02.2010, 13:09
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #8 (permalink)
|
|
Romanheld
Registriert seit: 21.03.2007
Ort: bei Daun, Eifel, RLP
Beiträge: 1.275
|
Das Buch habe ich vor einiger Zeit mal gelesen und war begeistert.
An den Stil kann ich mich nicht besonders erinnern, also war er wohl auch nicht so außergewöhnlich. Die Geschichte und die Intensivität an sich, sind aber umwerfend.
|
|
|
Gestern, 14:10
|
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues Beitrag #9 (permalink)
|
|
Bücherwurm
Registriert seit: 08.05.2008
Ort: Vorübergehend Fontanestadt. Ende Sommer allerdings wieder Berlin
Beiträge: 576
|
Fand das Buch richtig klasse.
sehe ich genauso:
Zitat:
|
Es mag alles lapidar klingen und in sechs Wochen dahingeschrieben worden sein, dennoch halte ich einige Metaphern (bspw. beim Sterben Kemmerichs, "das Skelett arbeitet sich durch") für sehr gelungen. Das zeugt, meines Erachtens, schon von einem gewissen Talent.
|
Ich mochte die Sprache - wobei mir durchaus einige Formulierungen hie und da nicht ganz rund erscheinen, allerdings nur Kleinigkeiten. Kurz und prägnant, macht's für mich so authentisch... er bringt so vieles absolut auf den Punkt, zumeist mit relativ wenig Worten. Das mag ich sehr... und viele seiner Metaphern fand ich ebenso gelungen...
Geändert von Miss Badass Meets Sofie (Gestern um 14:13 Uhr)
|
|
|
 |
| Themen-Optionen |
Thema durchsuchen |
|
|
|
Andere Themen im Forum Weltliteratur & Klassiker
|
| Thema |
Datum |
Autor |
Antworten |
Letzter Beitrag |
Vladimir Nabokov - Lolita
Vladimir Nabokov - Lolita: Taschenbuch: 527 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.;...
|
12.01.2010 |
Gute Fee |
21 |
25.01.2010 18:13 |
Herta Müller - Herztier
Herta Müller - Herztier: Klappentext:Rumänien in den achtziger Jahren:...
|
28.11.2009 |
Miss Badass Meets Sofie |
4 |
10.12.2009 02:59 |
Georges Dumézil: Der schwarze Mönch in Varennes
Georges Dumézil: Der schwarze Mönch in Varennes: Georges Dumézil: Der schwarze Mönch in Varennes ...
|
17.11.2009 |
Dieter |
0 |
17.11.2009 20:12 |
Joseph Heller - Catch 22
Joseph Heller - Catch 22: Joseph Heller
Catch 22
Ersterscheinung 1961 ...
|
19.09.2009 |
Clio |
3 |
19.09.2009 20:45 |
Willa Cather - Die Frau, die sich verlor
Willa Cather - Die Frau, die sich verlor: Willa Cather
Die Frau, die sich verlor
Knaus ...
|
08.09.2009 |
Clio |
2 |
11.09.2009 11:21 |
|