So, hier mal das erste Kapitel aus meiner Geschichte "The Saints". Ich bin mir nicht sicher, ob es mehr Fantasy oder mehr Jugendbuch ist, vll habt ihr ja eine Idee. Was dieses Kapitel angeht, bin ich mir sehr unsicher, ob es einen guten Einstieg darstellt, sagt mir also bitte, wie ihr das findet:
- kommt der Charakter gut rüber?
- macht es Lust auf Weiterlesen?
Kapitel 1
Der Tag, an dem ich Kate Ariani zum ersten Mal traf, war ein regnerischer und trüber, eigentlich ganz normaler Tag irgendwann mitten im November.
Nichts Besonderes also.
Gleichzeitig war es jedoch auch der Tag, an dem zum ersten Mal meine magischen Sensoren, mit denen ich mein Haus umgeben hatte, keinen Alarm schlugen. Auch wenn draußen nicht das beste Wetter herrschte - gerade dann sollten sie funktionieren, auch wenn sie nur relativ einfach aufgebaut waren...
Die meisten Leute würden sich jetzt an dieser Stelle vorstellen, wenn sie eine Geschichte erzählen.
Ich nicht.
Meinen Namen habe ich schon lange vergessen, und so bin ich dazu übergegangen, einfach keinen zu haben. Also bin ich der Namenlose, wenn man so will.
Es war recht kühl, wie es sich auch für diesen Monat gehörte, und für die Nacht wurde ein Schneesturm vorausgesagt. Draußen prasselten die Regentropfen gegen die Fensterscheiben und auf mein Dach.
Ich mochte dieses Geräusch, es beruhigte mich immer ein wenig. Würde ich jetzt im Flur stehen, könnte ich durch das Glasdach hindurch wahrscheinlich auch die Blitze sehen, aber darauf hatte ich keine Lust, denn ich saß mit einem Buch gemütlich vor dem Kamin, der wandelnde Schatten an die Wände malte.
Die Flammen standen niemals still, es war, als würde das Feuer eine Geschichte erzählen, der man aber nicht folgen konnte, und die vor allem nie zu Ende sein würde. Wie gerne würde ich sie verstehen können! Ich fand das Feuer einfach faszinierend.
Zudem war es das Element, was mir zugeordnet war und bei dem ich mich am geborgensten fühlte.
Es war die einzige Lichtquelle in diesem Raum.
Meine Lektüre für heute Abend lautete „Verfall und Untergang des römischen Imperiums".
Den Untergang dieses großen Reiches habe ich zwar mitbekommen, man könnte schon fast sagen, ich stand daneben- jedoch interessiert es mich, wie das Ganze aus der Sicht der Menschen heraus beschrieben wurde.
Denn bekanntermaßen interpretieren Menschen gerne schon mal etwas falsch. Wie hieß noch gleich ein Sprichwort unter ihnen? „Geschichte wird von Siegern geschrieben." Einer der wenigen wahren Sätze, die ich von dieser Gattung bisher vernommen hatte. Aber ganz genauso ist es schließlich.
Doch darum will ich mich jetzt nicht kümmern. Eigentlich war ich ganz in mein Buch versunken, und nichts konnte mich stören.
Davon abgesehen, war es auch gar nicht möglich mich zu stören, denn das Haus in dem ich lebte, lag ziemlich abgelegen. Es war recht alt und wurde erbaut um einen toten Wald zu bewachen. Mit diesem Wald hat es etwas Besonderes auf sich, er ist schon fast heilig für die magische Gesellschaft. Ich wurde schon vor Urzeiten abkommandiert, um diesen Wald (neben meinem anderen Job) zu bewachen.
Damit ist meine Umgebung eigentlich schon passend beschrieben: ein Haus, ein Wald, dahinter noch das Meer- das wars, willkommen in meiner Welt.
„Wooden Manor", wie das Haus allgemein genannt wurde, war recht groß, aber hiermit verhielt es sich ähnlich wie mit der legendären Feeninsel Tir Na Nog- es gab genauso viele Räume, wie gerade benötigt wurden. Allerdings hielt hier nicht die Zeit an, man lebte weiter.
Wenn man nicht gerade wie ich unsterblich und im Körper eines Jugendlichen gefangen war...
An Räumen brauchte ich nicht viel, für mich hatte das Haus ein recht einfaches Grundprinzip:
Im Erdgeschoss konnte man die Bibliothek, einen Trainingsraum, einen Wohnraum und die Küche finden, genauso wie einen Flur mit dem Glasdach und einem recht versteckten Abstellraum. Im Flur befindet eine große, alte, geschwungene Treppe, die links und rechts beginnt und dann oben in der Galerie zusammen trifft. Genau in der Mitte darunter befindet sich eine Tür, die in den Wald führte.
Von der Galerie gehen ab: Schlafzimmer, Badezimmer und eine relativ umfangreiche Waffenkammer, die sowohl antike, magische Schwerter und Messer als auch moderne Schusswaffen beherbergte.
Ich lebte ziemlich zurückgezogen, deswegen brauchte ich kein Gästezimmer.
Mit mir würde es sowieso niemand lange aushalten, und umgekehrt genauso. Sollte ich einmal doch so ein Zimmer benötigen, so wird es eben erscheinen, so einfach ist das.
Es ist auch nicht gerade üblich, dass ich hier in dem Haus anzutreffen bin. Zwar gibt es niemanden, der mich besuchen würde, was auch ganz gut so ist- ich halte nicht viel von anderen Lebewesen, und von Toten noch viel weniger- aber selbst dann würde man mich hier nicht finden.
Die meiste Zeit, die ich habe, stehe ich im Dienst der „Organisation", wie sie allgemein genannt wird, und jage Dämonen. Denn das ist die andere Tätigkeit, von der ich vorhin schon gesprochen hatte. Es ist ein ganz guter Job, und über die Zeit hinweg habe ich ein recht beträchtliches Vermögen angesammelt.
Auch wenn mir nicht klar ist, wofür ich es jemals ausgeben könnte. Noch nicht einmal Nahrung brauche ich, ich esse nur aus einem Gefühl und Geschmack heraus. Lebenswichtig ist Essen für mich nicht, was mich auch so qualifiziert für diese Arbeit macht.
Ich bin Kopfgeldjäger, einer der Besten um genau zu sein. Und da ist es meistens ziemlich praktisch, längere Zeit ohne Nahrung auskommen zu können. Auch heute aß ich nichts, was jedoch einen anderen Grund hatte:
Meine Häutung stand kurz bevor.
Eine Häutung erinnert an die Fähigkeit eines Reptils, seine Haut abzulegen. Hat aber nicht viel Ähnlichkeit damit.
Es ist ein ganz einfaches Prinzip: Alle 500 Jahre sagt sich der Körper, dass er mal nach seinen Magievorräten gucken soll. Dann bündelt er sie zusammen, und schließlich verdoppelt er diese Kraft. Aus diesem Grund sind die ältesten Dämonen meistens auch die stärksten. Kaum jemand erreicht ein Alter, wo die Kräfte verdoppelt werden. Manchmal kann es auch Ausnahmen geben, in denen ohne dieses Alter eine Verdoppelung der Kräfte erreicht werden kann, aber davon habe ich noch nie etwas gehört. Zumindest von niemanden, der es auch überlebt hat. Die meisten Wesen werden während ihrer Häutung getötet, denn in diesem Zustand ist man am verwundbarsten.
Und genau aus diesem Grund blieb ich zu Hause.
Zwar bin ich ein Unsterblicher und würde mich wieder regenerieren können, sprich, meine Wunden würden heilen, aber lästig ist sterben trotzdem. Wirklich keine angenehme Erfahrung, ich empfehle das niemandem.
In diesem Moment schreckte ich auf.
Warum, kann ich nicht genau sagen, allerdings meinte ich, ein Geräusch gehört zu haben.
Eines, dass ich sehr gut kannte, und von dem ich hoffte, es nie wieder hören zu müssen.
Denn dieses Geräusch ist niemals ein gutes Zeichen. Im Gegenteil, in ungefähr allen Fällen, in denen dieses Lachen erklang, folgten eine Katastrophe oder mindestens ein paar Morde.
Und meistens kommen dabei Menschen zu Schaden. Würde mich nicht weiter stören, wenn es da nicht gewisse Vorschriften „Zum Schutze der unwissenden Menschen" in der Organisation geben würde.
Und die ich auch noch unterschrieben habe. Ich hasse Vorschriften.
Das vermeintliche Lachen stammte von einem noch älteren Wesen als mir, und sein Name ist Azrael.
Er ist ein Engel, oder war viel eher mal einer. Das erkennt man schon daran, dass sein Name auf -el endet. Ist irgendeine Eigenart von ihnen, wie bei Luzifel, der dann ja später seinen Namen in Luzifer änderte, um seine Herkunft zu verleugnen und sich endgültig vom Himmel los zu sagen.
Ich verstehe mich nicht unbedingt gut mit Azrael, könnte man sagen.
Genau genommen wollte er mich umbringen, und ich ihn ebenso. Wobei er bei seinem Vorhaben wahrscheinlich mehr Glück haben würde.
Leider.
Deswegen stand ich auf.
Es war ein sehr hämisches und vor allem boshaftes Lachen gewesen, und das war noch viel mehr als nur schlecht.
Lautlos wie sich nur jemand bewegen kann, der dies schon seit Jahrhunderten übt, wandte ich mich zur Tür. Instinktiv griff ich nach dem Feuerhaken neben dem Kamin, ich hatte ihn bereits in der Hand und wog sein Gewicht ab, als mir bewusst wurde, dass ich hier von Azrael rede.
Und dass er mich mit einem Fingerschnippen vernichten könnte, wenn er wollte.
Aber wahrscheinlich würde er sich vorher über meine Waffe kaputt lachen.
Und diese Blöße wollte ich mir nun wirklich nicht geben, auch Unsterbliche haben ihren Stolz.
Kurzum- der Feuerhaken würde mich nur behindern. Somit ging ich unbewaffnet in den Flur und duckte mich sofort wieder im Türrahmen, denn halb erwartete ich, ihn da oben stehen zu sehen, wie er spöttisch auf mich herunter schaute.
Er liebte große Auftritte.
Aber niemand war da.
Erstaunt bemerkte ich stattdessen etwas anderes- aus einem der Zimmer, genau genommen meinem Schlafzimmer, schien ein Lichtstrahl. Er war nur ganz klein, denn scheinbar ist der Türschlitz mit einem Tuch oder ähnlichem abgedeckt worden.
Aber ich hatte recht ausgeprägte Sinne, was für meine Arbeit natürlich auch unabkömmlich war, und so bemerkte ich ihn trotzdem.
Ein wenig verwundert war ich ja schon, denn zum einen entsprach das so gar nicht Azraels Schema, und zum anderen tat sich dann die Frage auf, wer sich an seiner Stelle in meinem Haus aufhielt.
Also schlich ich die Treppe hinauf, noch immer geduckt, denn ich wollte den oder dasjenige bei seinen Aktivitäten überraschen, was auch immer das sein sollte.
Insgeheim rechnete ich mit einem dummen Kobold oder anderen magischen Wesen, die nicht wussten, in welchem Haus sie sich hier eigentlich befanden.
Und bei wem.
Vielleicht war es aber auch nur ein niederer Dämon, der sich einen großen Namen machen will, indem er hier im Haus herum schnüffelte und versuchte, mich umzubringen.
Es gab viele Möglichkeiten, und ich rechnete mit jeder Einzelnen.
Beinahe.
Denn als ich die Tür aufmachte, war ich vollkommen überrascht.
Grüße, Jeanne