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Alt 08.03.2009, 23:55   Tunguska Beitrag #11 (permalink)
Gast1441
 
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Katholiken-bashen? Hm, interessanter Breitensport. Kennst du Vereine?
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Alt 09.03.2009, 08:23   Tunguska Beitrag #12 (permalink)
Tunguska
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Ich bin ein ganz unsportlicher Mensch, aber ich glaube, einen Verband gibt es nicht und die Sportfreunde finden sich eher spontan und informell zu den Veranstaltungen zusammen ...
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Alt 10.03.2009, 21:41   Tunguska Beitrag #13 (permalink)
Tunguska
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Tristram Shandy -- Ende des 1. Buches

So, Corporal Trim hat die lange Predigt nun verlesen -- beim letzten Teil musste ihm Vater Shandy hilfreich zur Seite springen, weil Trim zu sehr weinen musste, aber nicht weil die Predigt an sich so traurig war, sondern weil sie die Zustände in den Kerkern und Folterkammern so anschaulich beschreibt -- und Corporal Trim hat in Lissabon einen Bruder im Gefängnis sitzen!

Wir erfahren nun, was Vater Shandys Absicht mit Dr. Slop ist: er möchte, dass sein Sohn mittels Kaiserschnitt zur Welt kommt, denn er hat gelesen, dass bei der Geburt auf natürlichem Wege das Gehirn des Säuglings Gefahr läuft, gequetscht zu werden -- und er möchte, dass sein Sohn über volle geistige Kapazität verfügt.

Diener Obadiah ist unterdessen mit den ärztlichen Instrumenten zurückgekehrt; er hat sicherheitshalber, damit bei dem gestreckten Galopp, der in seiner Situation angezeigt ist, nichts verloren geht, die Tasche gut verschnürt und verknotet -- sehr gut sogar! Dr. Slop jedenfalls ist zunächst nicht in der Lage, die Knoten zu lösen.

Am Ende des 1. Bandes ist Tristram Shandy noch nicht geboren, laut Bekunden des Autors selbst sind inzwischen 50 Fragen offen ...
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Alt 15.03.2009, 10:15   Tunguska Beitrag #14 (permalink)
Tunguska
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Da Dr. Slops Dienste inzwischen dringend gefragt sind, greift er zu einem Messer, um die Knoten, die ihn von seinen Instrumenten trennen, durchzuschneiden; er rutscht damit aber ab und verletzt sich am Daumen. Er glaubt nicht, dass er so Frau Shandy beistehen kann und in seiner Wut verwünscht er Obadiah.

Vater Shandy, der auf seinen Diener große Stücke hält, erklärt dem Arzt, dass er richtig fluchen soll, wenn er es ernst meint und gibt ihm die "Exkommunikationsformel der römischen Kirche", von Bischof Ernulphus* aus dem Hauptbuch der Kirche von Rochester und fordert ihn auf, diese laut zu verlesen.

Dieser Text enthält die haarsträubendsten Verwünschungen, hier einige Auszüge:
Verflucht sei er in den Haaren; verflucht im Gehirn, verflucht auf dem Scheitel an den Schläfen, auf der Stirne, in den Ohren, an den Augbrauen, in den Augen, Wangen, Kinnbacken, Naslöchern, Zähnen, Vorderzähnen und Backenzähnen, Lippen, in der Kehle, den Schultern, Ellbogen, Armen, Händen, Fingern, in der Brust, im Herzen und in allen Eingeweiden, die der Bauch enthält, in den Nieren, dem Becken und Schambein, im Zeugungsglied, im Dickfleisch, in den Hüften, Knieen, Beinen, Füßen und Zehen.

(...)

und möge der Himmel, mit allen Mächten, die sich darin regen, sich gegen ihn erheben, und ihn (den Obadiah) verdammen, wofern er nicht bereut und dafür Buße thut. Amen. So geschehe es, – so geschehe es. Amen.
Nach weiteren Diskussionen -- und weiteren Bagatellunfällen -- soll Dr. Slop endlich an die Arbeit gehen. Er will für die Entbindung seine neu erfundene Geburtszange einsetzen. -- Als nächstes erfährt Vater Shandy, dass Dr. Slop die Nase des Neugeborenen mit der Zange plattgedrückt hat, und in der Küche dabei ist, aus Fischbein und einem Baumwollfetzen eine Nasenprothese herzustellen ...

* (1040 -– 15 März 1124)

Geändert von Tunguska (15.03.2009 um 10:19 Uhr)
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Alt 18.03.2009, 22:17   Tunguska Beitrag #15 (permalink)
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Tristram Shandy

Die Neuigkeit, dass sein neugeborener Sohn eine plattgedrückte Nase hat, hat Vater Shandy einen solchen Schlag versetzt, dass er seinen Bruder, Onkel Toby bitten muss, ihn auf seine Stube zu begleiten, wo er auf dem Bett zusammenbricht und 1 1/2 Stunden reglos liegen bleibt.

Diese Zeit nutzt Sterne, um uns mit allerlei Philosophien bezüglich der menschlichen Nase im Allgemeinen, der männlichen aber im Besonderen, vertraut zu machen -- siehe! Sigmund Freuds Lieblingsbuch -- einschließlich der Wiedergabe einer Erzählung eines gewissen Herrn Slawkenbergius (der sich ausgiebig mit der Nasenproblematik befasst zu haben scheint, selbst aber offensichtlich erfunden zu sein scheint), in der die Stadt Strasbourg durch das Auftauchen eines Fremden, der mit einem ganz besonderen Prachtexemplar jenes Sinnesorgans ausgestattet ist, in entsetzliche Aufregung versetzt wird -- einige Nonnen, die nur durch Hörensagen davon erfahren, durchleben schlaflose Nächte -- schließlich kommt das gesamte Geschäftsleben der Stadt zum Erliegen ...

Eineinhalb Stunden später, als Vater Shandy seine Fassung soweit wieder erlangt hat, lässt er sich von Onkel Toby wieder nach unten bringen. Während sie zusammen die Treppe hinunter steigen, verlieren sie sich in allerlei weltanschaulichen Fragen:
Obschon der Mensch das merkwürdigste aller Fuhrwerke ist, sagte mein Vater, so ist er doch zugleich von einem so schwachen Gestell und so lotterig zusammengesetzt, daß die jähen Stöße und schweren Puffe, die er auf seinem holperigen Gange unvermeidlich durchmachen muß, ihn alle Tage ein Dutzend Mal umwerfen und in Stücke brechen würden, – wenn es nicht eine geheime Federkraft in uns gäbe, Bruder Toby.
Nach dem Befinden der Frau oder des Neugeborenen wurde nicht gefragt ...
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Alt 20.03.2009, 20:09   Tunguska Beitrag #16 (permalink)
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Tristram Shandy

Vier Kapitel -- und allerhand Geplauder -- später sind Vater Shandy und Onkel Toby zwar noch immer nicht am Fuße der Treppe angelangt, aber immerhin ist Vater Shandy nun so geistesgegenwärtig, bei Susannah, der eben vorbei kommenden Dienerin, nachzufragen, wie es der Herrin des Hauses und dem Kind gehe -- er hätte es aber auch sein lassen können: der Herrin gehe es den Umständen entsprechend: keine Auskunft zum Befinden des Kindes, und die Frage, wo Dr. Slop ist, wird völlig ignoriert -- oder nicht gehört. Dies veranlasst ihn und Onkel Toby zu sehr unterschiedlichen Betrachtungen über den Ehestand und die Frauen:
Von allen Räthseln im ehelichen Leben, sprach mein Vater, schritt über den Treppenabsatz und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, während er meinem Onkel Toby vordemonstrirte – von all den wunderlichen Räthseln im Ehestand, sprach er – und ich sage dir, Bruder Toby, es gibt deren mehr Eselslasten als alle Esel Hiobs hätten tragen können, – ist doch keines merkwürdiger als das: – daß von dem Augenblick an, wo die Frau in die Wochen kommt, jedes weibliche Wesen im Hause von der Kammerjungfer an bis zum Küchenpudel herab um einen Zoll größer wird, und sich mit diesem einen Zoll ein größeres Ansehen gibt, als mit allen ihren übrigen Zöllen zusammen.
Ich glaube vielmehr, erwiderte mein Onkel Toby, daß wir um einen Zoll kleiner werden. – Mir wenigstens geht es so, wenn ich nur einer Frau begegne, die in der Hoffnung ist. – Es ist das doch eine schwere Last, welche dieser Hälfte unserer Mitgeschöpfe auferlegt ist, Bruder Shandy, sagte mein Onkel Toby. – Es ist eine mitleiderregende Bürde für sie, fuhr er kopfschüttelnd fort. – Ja, ja, es ist eine peinliche Sache, versetzte mein Vater und schüttelte gleichfalls den Kopf: – aber seitdem man Köpfe schüttelte, sind gewiß nie zwei Köpfe zu gleicher Zeit aus so verschiedenen Gründen geschüttelt worden.
{Gott segne / Der Teufel hole} sie Alle, sagte mein Onkel Toby und mein Vater, ein Jeder für sich.
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Alt 24.03.2009, 09:32   Tunguska Beitrag #17 (permalink)
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Tristram Shandy

Erfreulich ist, dass gegen Ende des 2. Buches aufgeklärt wird, wie der Sohn, Tristram, zu einem für seinen Vater so inakzeptablen Namen gekommen ist.

Während Vater Shandy immer noch mit Onkel Toby auf der Treppe unterwegs ist, und nachdem er vergeblich versucht hatte, Näheres über den Zustand von Mutter und Kind zu erfahren, gibt er folgende Entscheidung bekannt:
"Er soll den Namen Trismegistus erhalten, Bruder."
Und zur Begründung erfahren wir im übernächsten Kapitel:
(...) Dieser Trismegistus*, (...) war das größte aller irdischen Wesen, Toby; – er war der größte König, – der größte Gesetzgeber, – der größte Philosoph, (...)
Doch wie man ahnt, kommt es anders, denn offensichtlich ohne sich weiter um diese Angelegenheit zu kümmern, begibt sich Vater Shandy zu Bett. Dort wird er unbestimmte Zeit später von der sehr aufgebrachten Susannah aufgestört, die ihm mitteilt, dass sich das Kind in sehr schlechtem Zustand befindet und umgehend getauft werden muss: sie soll Pfarrer Yorrick den Namen überbringen -- man könne auch nicht warten, bis Vater Shandy sich erhoben und angekleidet habe. -- So teilt er also Susannah den Namen Trismegistus mit, sie läuft sofort zum Pfarrer -- kann den komplizierten Namen natürlich nicht behalten, und so geschieht das Missgeschick:
's ist etwas wie Tris – rief Susanna. – Es gibt keinen christlichen Vornamen der mit Tris anfängt, als Tristram, sagte der Vikar.
-- und so tauft er das Kind dann auch. Wenig später erscheint auch Vater Shandy. Dass das Kind den falschen Namen bekommen hat, erfährt er erst am nächsten Tag. Yorrick kann nicht mit Sicherheit sagen, ob man die Taufe rückgängig machen oder mit anderem Namen wiederholen kann und schlägt vor, diese Frage in entsprechend kompetentem Kreise bei einer ohnehin geplanten Zusammenkunft zu klären. -- Die Geschehnisse während dieses Gastmahls beschreibt Sterne mit gewohntem Detailreichtum, dennoch bringt es, soweit es den armen Vater Shandy betrifft, nicht das erhoffte Ergebnis ...
_____________________

* = "Hermes Trismegistus" ist historisch nicht nachgewiesen.

Geändert von Tunguska (24.03.2009 um 10:32 Uhr)
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Alt 27.03.2009, 15:04   Tunguska Beitrag #18 (permalink)
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Tristram Shandy -- 3. Buch

Tristram Shandy ist endlich auf die Welt gekommen und unwiederruflich auf den Namen Tristram getauft worden.

Vater Shandy macht eine Erbschaft über 800 Pfund -- eine Summe, die die Phantasie ungemein anregt -- aber wofür soll das Geld eingesetzt werden? Für die Urbarmachung eines Stücks Land, die schon lange geplant war? oder doch für die Erziehung des ältesten Sohnes (Tristrams Bruder Bob)? Doch diese Überlegungen werden schon bald müßig, denn der älteste Sohn stirbt. -- Ein schwerer Schlag für die Familie einschließlich Gesinde, und die Trauer findet -- je nach Wesensart -- entsprechend unterschiedlichen Ausdruck.

Tristram ist nun das einzige Kind der Shandys und da er von Haus aus schon Nachteile erlitten hat -- durch die eingedrückte Nase und das Unglück mit seinem Namen nämlich -- will Vater Shandy wenigstens alles in seinen Kräften stehende tun, um ihm den Lebensweg zu ebnen, indem er -- als gelehrter Mann, der er nun einmal ist -- ein Kompedium für Tristrams Erziehung zusammenstellt. Er möchte das besonders gründlich tun, und so will der Fortschritt des Werkes leider nicht so recht Schritt halten mit der Entwicklung des Sohnes.
Gewiß ist es als Strafe für den Stolz menschlicher Weisheit so bestimmt, daß die Weisesten von uns sich so selbst übertölpeln und beständig über ihr Ziel hinausschießen. während sie heftigst bemüht sind es zu verfolgen.
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Alt 31.03.2009, 10:15   Tunguska Beitrag #19 (permalink)
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Als Tristram fünf Jahre alt ist, hat er einen kleinen Unfall: Ein offenes Schiebefenster lockert sich und fällt ihm Guillotine-artig auf den Hals und obwohl ihm dabei nichts ernsthaftes zugestoßen ist, macht er ein solches Geschrei, dass die Bewohner des ganzen Hauses zusammenlaufen.

Vater Shandy begutachtet den Sohn, und geht nach unten -- nicht um Verbandszeug zu holen, sondern medizinische Bücher. -- Für die Behandlung des Jungen empfiehlt er, Dr. Slop zu konsultieren, während er selbst mit Bruder Toby und Yorrick das weite Feld der Medizin betritt:
Der Hieb gegen den Fürsten der Aerzte, womit er begann, war nichts als eine kurze Schmähung über dessen jämmerliche Klage – daß die ars longa – und das vita brevis sei. – Das Leben kurz, rief mein Vater, und die Heilkunst von langer Hand! Und wem haben wir denn für diese beiden Dinge zu danken, wem anders als der Unwissenheit der Quacksalber – den Wagenlasten chemischer Arcana und peripathetischen Gerümpels, womit sie zu allen Zeiten der Welt geschmeichelt und zuletzt sie betrogen haben.
O Mylord Verulam*! rief mein Vater, indem er sich von Hippokrates abwendete und diesem, als dem ersten Arcanumskrämer und dem Passendsten für die Statuirung eines Exempels den zweiten Hieb versetzte, – was soll ich dir sagen, du großer Lord Verulam? Was soll ich sagen zu deinem inneren Geist, – deinem Opium, – deinem Salpeter, – deinen Fettsalbungen, – deinen Purgirungen bei Tage, – deinen Klystieren bei Nacht und deinen Surrogaten?
Und hier die Theorie des besagten Verulam:
Die zwei großen Ursachen, sagt Lord Verulam, welche sich vereinigen, um das Leben zu kürzen, sind erstens –
Der innere Geist der wie eine seine Flamme den Körper allmählich verbrennt; – und zweitens die äußere Luft, welche den Körper zu Asche vertrocknet; – da diese beiden Feinde unsere Körper von außen und von innen zugleich angreifen, so zerstören sie endlich unsere Organe und machen sie unfähig die Functionen des Lebens weiter auszuüben.
Wenn die Sachen sich so verhalten, so liegt das Mittel ein langes Leben zu gewinnen auf der Hand: man braucht nichts weiter, sagt seine Lordschaft, als den durch den inneren Geist herbeigeführten Verbrauch wieder zu ersetzen, indem man einerseits denselben durch einen regelmäßigen Gebrauch von Opiaten verdickt und verdichtet und andererseits seine Hitze durch 3½ Gran Salpeter, die man täglich vor dem Aufstehen nimmt, abkühlt.
Nun ist aber unser armes Gehäus auch den feindlichen Angriffen der äußeren Luft ausgesetzt; – diese wird nun durch Fettsalben, welche die Poren der Haut so vollständig ausfüllen, daß kein Strahl durchgeht, – und auch nichts hinaus kann, vollkommen ausgeschlossen. – Da dies aber wieder alle merklichen und unmerklichen Ausdünstungen hemmt, wodurch wieder Hautkrankheiten entstehen, – so ist eine Klystiercur nöthig, um die überflüssige Feuchtigkeit abzuführen und das System zu vervollständigen.
Die Medizin hatte offenbar schon immer einen Hang zum Skurrilen, so wird z.B. die folgende Geschichte über den Arzt des Sonnenkönigs Ludwig XIV erzählt**:
Mr. Fagon, ausgebildet an der Sorbonne, und mit dem Titel Médecin du roi versehen, hing fatalerweise der Lehre an, dass Zähne die Ursache vieler Krankheiten seien. Das vermittelte er dem jungen König so überzeugend, dass dieser in die Entfernung aller (!) Zähne einwilligte. Bei diesem Eingriff ohne jede Betäubung brach der Meister dem König nicht nur den Unterkiefer, sondern riß mit den oberen Seitenzähnen auch gleich noch den halben knöchernen Gaumen mit heraus. Die Wunde wurde 13 mal - wieder ohne Betäubung - mit einem glühenden Eisen desinfiziert. Das Ergebnis war, dass zwar der Unterkieferbruch alleine heilte, aber im Gaumen ein riesiges Loch blieb, durch das der Wein, den der König reichlich genoss, zur Nase wieder herauslief. Auf gleichem Weg gelangten auch völlig unzerkaute Fleischteile in die Nase, die dort unerreichbar liegen blieben, und den bestialischen Geruch durch Zerfall hervorriefen. Die vielen Aderlässe, die der absolutistische Herrscher Frankreichs durch seine Ärzte erlitt, überlebte der Mann in erster Linie durch seine gesunde Konstitution und seinen sagenhaften Appetit.

Mal sehen, wie Vater Shandy das sieht ...
__________________
* -- Francis Bacon
** -- diese Anekdote stammt nicht aus Tristram Shandy

Geändert von Tunguska (31.03.2009 um 13:14 Uhr)
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Alt 06.04.2009, 09:48   Tunguska Beitrag #20 (permalink)
Tunguska
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Tristram Shandy -- 3. Buch

Die Frage der medizinischen Theorien wird dann doch relativ schnell abgetan:
Es genüge, wenn ich jetzt sage, – daß mein Vater jene Hypothese dem Boden gleich machte; und indem er dies that, begreifen die Gelehrten, daß er seine eigene aufrichtete und ausbaute.
Unterdessen ist Tristram Dr. Slops Obhut anvertraut, der einen Breiumschlag verordnet. Als er Susannah auffordert, ihm dabei die Lampe zu halten, kommt es zum Streit zwischen den beiden, weil sich Susannah von Dr. Slop irgenwie zurückgesetzt fühlt. Das ganze gipfelt in einer beinahe tätlichen Auseinandersetzung:
Etwas daher, sagte Dr. Slop. – Susanna sah nach rechts und arbeitete nach links, dadurch fing Dr. Slops Perrücke plötzlich Feuer. Da sie ziemlich buschig und wohl gesalbt war, flammte sie auf, ehe sie recht angezündet war. – Du unverschämtes Mensch! schrie Dr. Slop – (denn Leidenschaft ist ja ein wildes Thier) – du unverschämtes Mensch! rief Dr. Slop und fuhr mit dem Kataplasma in der Hand in die Höhe. – Ich habe nie Jemand um seine Nase gebracht, sagte Susanna, – das können Sie nicht sagen. – So, das kann ich nicht, rief Dr. Slop und warf ihr das Kataplasma ins Gesicht. – Ja, das können Sie nicht, schrie Susanna, und gab ihm mit dem was noch in der Pfanne war das Compliment zurück
Dieser Vorfall bestärkt Vater Shandy in seiner Überzeugung, dass er für den Jungen einen Hauslehrer braucht; er fasst die Anforderungen, die ein Anwärter auf diese Position mitbringen muss, zusammen und erörtert sie mit Toby und Yorrick:
Aus diesen Gründen, fuhr mein Vater fort, darf der Hofmeister, den ich wähle, nicht lispeln, noch schielen, noch blinzeln, noch zu laut sprechen, noch aufbrausend oder närrisch aussehen, – noch auf die Lippen beißen, noch mit den Zähnen knirschen, noch durch die Nase sprechen, noch daran kratzen, noch sich mit den Fingern schnäutzen.
(...)
Auch darf er weder schnell, noch langsam gehen, noch die Arme kreuzen – denn das deutet auf Trägheit; noch sie hängen lassen, – denn das ist albern; noch sie in die Tasche stecken, – denn das ist Unsinn.
Er darf weder zuschlagen noch kneipen noch kitzeln, – noch seine Nägel abbeißen oder schneiden, noch sich räuspern, noch spucken, noch mit der Nase schnupfen, noch in Gesellschaften mit den Füßen oder Fingern trommeln; – noch (wie Erasmus will) mit Jemand sprechen, wenn er sein Wasser läßt, – noch auf Aas oder Koth deuten.
(...)
Dagegen soll er heiter, spaßig, zu Scherzen aufgelegt sein, fuhr mein Vater fort; zugleich aber auch bedachtsam, aufmerksam auf sein Amt, wachsam, scharfsinnig, witzig, erfindungsreich, rasch im Entscheiden von Zweifeln und speculativen Fragen; – er soll weise, verständig und gelehrt sein. – Warum nicht auch demüthig und bescheiden und mild und gutmüthig? fragte Yorick. – Und warum nicht offenherzig, großmüthig, wohlthätig und tapfer? rief mein Onkel Toby.
Onkel Toby glaubt, helfen zu können: Einige Jahre zuvor hat er sich eines Jungen angenommen -- sein Vater, der in seinem Regiment gedient hatte, war gestorben. -- Allerdings hat Onkel Toby noch nicht viel von dem Jungen gesehen oder kennen gelernt, denn mit Ausnahme der Ferien war er zur Schulausbildung fort gewesen, bis er beschloss, Onkel Toby um den Degen seines Vaters zu bitten und sein Glück in Prinz Eugens Armee zu suchen (Türkenkrieg 1716-1718) -- er fand es aber nicht. Nach der Schlacht um Belgrad trieb er sich vier Jahre in Europa herum, bis er alles verloren hatte und arm und krank in Marseille strandete, von wo er an Onkel Toby schrieb und seine Rückkehr mit dem nächsten Schiff ankündigte. Dieser Brief erreichte Onkel Toby sechs Wochen vor diesem Unfall mit dem Schiebefenster. -- Diesen jungen Mann empfiehlt Onkel Toby als Hauslehrer.

Geändert von Tunguska (06.04.2009 um 09:50 Uhr)
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