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13.08.2009, 09:48
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #1 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Lübeck
Beiträge: 693
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Albert Camus - Der Fremde
Taschenbuch: 142 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (Januar 2005)
Sprache: Deutsch
Inhalt:
Meursault, ein kleiner Büroangestellter in Algier, erzählt seine Geschichte. Nach dem Tod seiner Mutter, der ihn nicht wirklich trifft, nimmt er sich zwei Tage frei, um an der Beerdigung teilzunehmen. Nach der Rückkehr beginnt er eine Liebesbeziehung mit seiner früheren Kollegin Maria. Sein Nachbar Raymond lädt ihn als Dank für eine Gefälligkeit zu einem Strandausflug ein, bei dem es zu einer Auseinandersetzung zwischen Raymond und einem Araber, dem Bruder seiner früheren Geliebten, kommt. Meursault, der Raymonds Waffe an sich genommen hatte, um Schlimmeres zu verhindern, trifft später allein auf den Araber und fühlt sich von dessen in der glühenden Mittagssonne aufblitzenden Messer so bedroht, dass er ihn erschießt. Im anschließenden Mordprozess wird versucht, die moralische Verdorbenheit Meursaults anhand seines Verhaltens in den Tagen vor dem Mord zu beweisen. Seine Äußerung, er habe den Araber eigentlich gar nicht erschießen wollen, allein die Sonne sei Schuld daran gewesen, wird mit Gelächter quittiert. Die Tröstungen des Gefängnisgeistlichen, der ihm Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod machen will, weist er zurück. Er ist nicht bereit, Reue zu empfinden oder sie zu heucheln, und wird verurteilt. Im Angesicht der Hinrichtung erkennt und akzeptiert er die Absurdität seines Daseins.
( Quelle: amazon )
Meine Meinung:
Ein sehr zentrales Werk Camus', das seine Philosophie des Absurden in großen Teilen vorwegnimmt. Man kann gar nicht anders als die absolute Passivität und Gleichgültigkeit Meursaults zu bemerken und ihr entweder befremdet oder verständnisvoll gegenüberzustehen. Teilweise liest sich das Buch eher wie eine sachliche Handlungsabfolge, ohne innere Monologe, ohne Gefühl, ohne irgendetwas, das den Protagonisten ' menschlicher' und nachvollziehbarer macht. Bei meiner Recherche zu Interpretationsansätzen fand ich die Formulierung : Es ist absolute Objektivität. Wenigstens der erste Teil, in dem es um den Tod Meursaults Mutter und seine Weigerung ( so man denn von einer bewussten sprechen kann ), moralischen Erwartungen nachzukommen, geht. Im zweiten Teil beschreibt Camus den Gerichtsprozess, die Zeit in Haft und letztlich die Reaktion auf das Todesurteil. Wie auch sonst nimmt Meursault es gelassen auf, für ihn hat nichts eine tiefere emotionale Bedeutung, er ist der Fremde. ( angeblich wollte Camus diesen Roman zuerst Der Gleichgültige nennen ) Ein sehr lesenswerter Roman, besonders hinsichtlich Camus' Philosophie. Man sollte den Protagonisten nur nicht mit den gewöhnlichen und bekannten Wertmaßstäben messen, sonst kann er einem wohl bloß abstoßend erscheinen.
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13.08.2009, 21:14
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #2 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 20.01.2008
Ort: Mitte Deutschlands (Rhön)
Beiträge: 562
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Tolles Buch, hat mich total fasziniert. Besonders beeindruckend fand ich die Antwort auf die Frage seiner Freundin ob er sie liebt. Er antwortet dazu: Er wisse es nicht, glaube es aber nicht.
Und auf die Frage ob er sie heiraten würde: warum nicht!
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14.08.2009, 14:44
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #3 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Lübeck
Beiträge: 693
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Das ist sicherlich auch eine sehr repräsentative Szene, das stimmt.
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08.09.2009, 02:45
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #4 (permalink)
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Unbeschriebenes Blatt
Registriert seit: 06.09.2009
Ort: Stuttgart-Süd
Beiträge: 44
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Albert Camus, Der Fremde
i-g-eu-a (zu deutsch: ich grüße euch alle - wenn es so viele abkürzungen im net und web gibt, möchte auch ich mein teil dazu beitragen!)
igeua also herzlich, und ich gestehe: bin noch ganz neu im forum / dies ist mein erster beitrag / mal sehn, wie's sich anläßt //
zum thema:
muß einfach meiner freude ausdruck geben, daß Camus ins spiel gekommen ist (danke, Maya!) / natürlich "Der Fremde" ist DAS schlüsselwerk / und es ist gut, daß Maya es nicht nur literarisch sieht, sondern gleich die philosophie des absurden, einer form des existentialismus, erwähnt / ebenso wichtig ihr hinweis, daß man es nicht mit den "gewöhnlichen und bekannten" maßstäben lesen (werten, interpretieren) darf //
da ich nicht nur ein besessener literat, sondern auch ein suchender philosoph bin, möchte ich die Camus-schau erweitern und zwei weitere bücher von Camus erwähnen / diese werden natürlich auch ein lesevergnügen sein - so man denn Camus und seinen stil wie seine richtung mag //
(1) "Der glückliche Tod" /
dieser erstling von Camus ist zugleich ausdruck seiner ganzen philosophie, eine grundlegung des existentialismus, des (positiven) nihilismus, des absurden - wie immer man diese denkweise kategorisieren will / worin auch der atheismus eingeschlossen ist / dieses frühwerk hat Camus zu lebzeiten nicht veröffentlicht, weil er ein strenger selbstkritiker des literarischen war / das büchlein weist auch in der tat kleine sprachliche und konstruktive schwächen auf - ist aber dess' ohngeachtet zu empfehlen/ zumal es vom hintergrund her einen blick in sein denken gewährt und eine einführung in existentielles suchen sein kann //
(2) "Der Fall" /
1956 als letztes werk von Camus erschienen / ist etwas schwerer zu lesen, aber der abstieg eines anwalts von gesellschaftlicher anerkennung in das NICHTS zeigt die besondere form des existentialismus von Camus / ein (inneres) lachen, das ihn verfolgt, und die unmoral einer gesellschaft, die nicht justiziabel ist, sind literarisch eindrucksvoll dargestellt / auch hier steht bei der aussage-absicht die philosophie immer im hintergrund //
beide bücher sind als taschenbücher zu haben / wer also zwei fliegen mit einer klappe schlagen will (literaturkenntnis und einfühlen in den existenzialismus - oder umgekehrt) - dem seien sie hiermit empfohlen //
und ich empfehle mich auch für heute
mfg
p.s.: wer dann Camus-fan geworden ist, der nimmt sich dann natürlich "Die Pest" vor / und für tieferes eindringen in die philosophie das berühmte "Der Mythos von Sisyphos" / aber bitte gut frühstücken vorher .... //
ciao
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01.02.2010, 06:40
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #5 (permalink)
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Newbie
Registriert seit: 12.01.2010
Ort: Ottawa, Ontario, CANADA
Beiträge: 4
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Zitat:
Zitat von littleprofessore
i-g-eu-a (zu deutsch: ich grüße euch alle - wenn es so viele abkürzungen im net und web gibt, möchte auch ich mein teil dazu beitragen!)
igeua also herzlich, und ich gestehe: bin noch ganz neu im forum / dies ist mein erster beitrag / mal sehn, wie's sich anläßt //
zum thema:
muß einfach meiner freude ausdruck geben, daß Camus ins spiel gekommen ist (danke, Maya!) / natürlich "Der Fremde" ist DAS schlüsselwerk / und es ist gut, daß Maya es nicht nur literarisch sieht, sondern gleich die philosophie des absurden, einer form des existentialismus, erwähnt / ebenso wichtig ihr hinweis, daß man es nicht mit den "gewöhnlichen und bekannten" maßstäben lesen (werten, interpretieren) darf //
da ich nicht nur ein besessener literat, sondern auch ein suchender philosoph bin, möchte ich die Camus-schau erweitern und zwei weitere bücher von Camus erwähnen / diese werden natürlich auch ein lesevergnügen sein - so man denn Camus und seinen stil wie seine richtung mag //
(1) "Der glückliche Tod" /
dieser erstling von Camus ist zugleich ausdruck seiner ganzen philosophie, eine grundlegung des existentialismus, des (positiven) nihilismus, des absurden - wie immer man diese denkweise kategorisieren will / worin auch der atheismus eingeschlossen ist / dieses frühwerk hat Camus zu lebzeiten nicht veröffentlicht, weil er ein strenger selbstkritiker des literarischen war / das büchlein weist auch in der tat kleine sprachliche und konstruktive schwächen auf - ist aber dess' ohngeachtet zu empfehlen/ zumal es vom hintergrund her einen blick in sein denken gewährt und eine einführung in existentielles suchen sein kann //
(2) "Der Fall" /
1956 als letztes werk von Camus erschienen / ist etwas schwerer zu lesen, aber der abstieg eines anwalts von gesellschaftlicher anerkennung in das NICHTS zeigt die besondere form des existentialismus von Camus / ein (inneres) lachen, das ihn verfolgt, und die unmoral einer gesellschaft, die nicht justiziabel ist, sind literarisch eindrucksvoll dargestellt / auch hier steht bei der aussage-absicht die philosophie immer im hintergrund //
beide bücher sind als taschenbücher zu haben / wer also zwei fliegen mit einer klappe schlagen will (literaturkenntnis und einfühlen in den existenzialismus - oder umgekehrt) - dem seien sie hiermit empfohlen //
und ich empfehle mich auch für heute
mfg
p.s.: wer dann Camus-fan geworden ist, der nimmt sich dann natürlich "Die Pest" vor / und für tieferes eindringen in die philosophie das berühmte "Der Mythos von Sisyphos" / aber bitte gut frühstücken vorher .... //
ciao
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Hallo Maya,
Das literarische Echo. Deutschsprachige Literatur im Gespräch. Kritiken und Kontroversen (dazu mehr in unter unsrem Profil) plant eine Sendung über 'Albert
Camus (1913-1960), heute', in der es unter anderem auch um die Frage gehen könnte, inwiefern die rezipierbare Offenheit seiner Ideenwelt und die den Texten spezifische Geschlossenheit im deutschen Sprachraum noch immer (kaum noch, gar
nicht mehr) wirksam sind. Ich habe dazu auch etwas in unsrem LitEcho.ca Notizblock
(s. die URL unter Profil) geschrieben. Hättest Du Lust dazu Dich mit Freunden oder allein zu diesem Thema zu äußern? Ihr hättet auch die Möglichkeit an unsrer Sendung
direkt mitzuwirken.
Laß mal bitte von Dir hören, okay.
Viele Grüße aus Ottawa,
Hans
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01.02.2010, 17:13
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #6 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Lübeck
Beiträge: 693
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Zitat:
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Hättest Du Lust dazu Dich mit Freunden oder allein zu diesem Thema zu äußern?
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Ich muss ehrlich sagen, dass meine Kenntnis von Camus nicht über den oberflächlichen Kern seiner Philosophie (des Absurden) hinausgeht. Gelesen habe ich sonst nur ' Die Pest' und Ausschnitte aus ' Der Mythos des Sisyphos", dementsprechend weiß ich nicht, inwiefern ich da brauchbar und dienlich sein kann.
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02.02.2010, 15:59
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #7 (permalink)
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Buchbinder
Registriert seit: 04.11.2007
Beiträge: 154
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Zitat:
Zitat von Maya
Ich muss ehrlich sagen, dass meine Kenntnis von Camus nicht über den oberflächlichen Kern seiner Philosophie (des Absurden) hinausgeht. Gelesen habe ich sonst nur 'Die Pest' und Ausschnitte aus 'Der Mythos des Sisyphos", dementsprechend weiß ich nicht, inwiefern ich da brauchbar und dienlich sein kann.
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Nur keine falsche Bescheidenheit! Du hast hier eine sehr gute Rezi verfasst, der ich höchstens noch hinzufügen möchte, dass Der Fremde, wie auch Sisyphos, das Element der fehlenden Hoffnung aufgreift und thematisiert. Glück ohne Hoffnung, man erinnere sich an den Sisyphos, den wir uns als hoffnungslosen aber glücklichen Menschen vorstellen sollen.
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02.02.2010, 16:29
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #8 (permalink)
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Buchbinder
Registriert seit: 31.01.2010
Ort: München
Beiträge: 176
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Hinsichtlich der Rezension fehlt mir leider ehrlich gesagt noch die Wendung am Schluss - Camus wollte ja keine Gleichgültigkeit gegenüber der Welt, grundlosen Mord aus purem Affekt, etc. propagieren, sondern war im Gegenteil ja sehr engagiert für Humanität, Revolte gegen eine Welt, in der Kinder leiden müssen, usw. ...
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03.02.2010, 11:22
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #9 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Lübeck
Beiträge: 693
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Ich habe mit meiner Rezension auch niemals andeuten wollen, Camus verherrliche die Gleichgültigkeit. Meursault ist Ausdruck des Menschen, der dem Absurden, dem Leid in der Welt hilflos gegenübersteht, der Sinnlosigkeit der Welt nichts entgegensetzen kann. Camus spricht ja auch davon, dass das Absurde dann überwunden werden kann, wenn es angenommen, als existent betrachtet wird. Erst dann kann man dagegen rebellieren - das bedeutet nicht unbedingt, dass ich demonstriere oder gewalttätig werde, das kann auch bedeuten, wie Meursault allem abzuschwören. Und natürlich sprach sich Camus auch für moralische Werte wie Freundschaft, Liebe und Solidarität aus - insbesondere in der Pest, wo die gezielte Bekämpfung erst dann möglich wird, als sich die Menschen zusammentun.
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03.02.2010, 12:17
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Albert Camus - Der Fremde Beitrag #10 (permalink)
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Newbie
Registriert seit: 23.01.2010
Beiträge: 5
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Wie hier öfter angedeutet wurde, sind Camus´ Texte Ausdruck seiner Philosophie. Ist diese Philosophie weltfremd? Er beschreibt die Welt, wie sie nun mal ist – ohne Sinn und letztendlich lebensfeindlich. Also: “Es gibt nur ein philosophisches Problem: den Selbstmord.“ Weil das aber auch sinnlos wäre, soll der Mensch sich über Sinnlosigkeit (und seine biologische Natur) hinwegsetzen und für eine humanere Welt kämpfen.
Ist die Erwartung, daß der Mensch sich über seine „Natur“ hinwegsetzen kann, vielleicht utopisch?
Diese „Natur“ haben Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz oder Kulturphilosophen wie Oswald Spengler beschrieben. Und die Geschichte der Menschheit hat sie bestätigt. Wenn man genau hinguckt, hat sich seit Kain den Abel ershlug an der menschlichen Natur nichts geändert. In der biologischen Natur kommt Humanität nicht vor. Darüber kann auch die Zivilisation nicht hinwegtäuschen. Im Gegenteil – die Zivilisation ist an einem Punkt angekommen, da die Illusion von Humanität, Sinn und Wert sich für immer mehr Menschen auflöst.
Insofern frage ich mich, ob Camus` Philosophie utopisch ist, weil sie eine in Jahrtausenden nicht umsetzbare biologische Veränderung erwartet. Seinen Kampf für eine humanere Welt könnte man auch als persönlichen Selbstzweck und unbewußte Selbstverkeugnung akzeptieren. Wäre in jedem Falle sinnvoll; insofern ist meine Begeisterung für Camus ungebrochen.
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