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Alt 06.02.2010, 16:33   Mir selber seltsam fremd: Die Unmenschlichkeit des Krieges. Russland 1941-44 Beitrag #1 (permalink)
chrodechilde männlich
Bücherwurm
 
Benutzerbild von chrodechilde
 
Registriert seit: 20.01.2008
Ort: Mitte Deutschlands (Rhön)
Beiträge: 562
Mir selber seltsam fremd: Die Unmenschlichkeit des Krieges. Russland 1941-44

ISBN-10: 3548604862

Preis. 8,95

Kurzbeschreibung
Willy Peter Reese ist zwanzig Jahre alt und will eigentlich Schriftsteller werden. Doch dann wird er zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt. Zu seinem eigenen Entsetzen unterwirft er sich den grausamen Spielregeln eines mörderischen Krieges und beschreibt diese "Verheerungen" seiner Seele in einem erschütternden Fronttagebuch.

Meine Meinung:

Das Buch enthält wirklich eine Menge unvorstellbar grausamer Scenen. Eine der härtesten ist wohl jene, in welcher einem toten Russischen Soldaten die angefrorenen Stiefel samt Unterschenkel abgehackt werden und dann mit der Suppe zusammen im Ofen aufgetaut werden weil man selbst keine Stiefel hat.

Aus dem Zusammenhang gerissen könnte man das jetzt falsch verstehen. Es ging in dieser Scene um das nackte eigene Überleben.

Reese beschreibt das alles schonungslos!

Im Vorwort wird im übrigen auch darauf hingewiesen, dass dieses Aufzeichnungen unmittelbar nach dem erleben niedergeschrieben wurden und somit nicht durch den Faktor Zeit verfälscht worden sind.

Dementsprechend also ein sehr authentisches Zeugniss sein sollen.

Teileweise sind die Stellen in denen er sich als Dichter über den Krieg Gedanken macht etwas ermüdent aber sehr tief getroffen hat mich dann auch ein Gedicht von ihm in dem er darüer nachdenkt, dass auch der unbekannte Russische Soldat genau wie er zuhause eine Mutter hat und um ihn leidet.

Ich hatte es mir damals rausgeschrieben und reiche es noch nach falls ich es wieder finde.
chrodechilde ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.02.2010, 20:33   Mir selber seltsam fremd: Die Unmenschlichkeit des Krieges. Russland 1941-44 Beitrag #2 (permalink)
chrodechilde männlich
Bücherwurm
 
Benutzerbild von chrodechilde
 
Registriert seit: 20.01.2008
Ort: Mitte Deutschlands (Rhön)
Beiträge: 562
Anbei noch das gedicht von dem ich sprach:

Sieh dort ist ein Mensch, den eine Mutter gebar
und liebte, hegte Jahr um Jahr
Um den sie weinte, hoffte, litt
Ein Mensch, der durch die Hölle schritt
Der arm wie du ist und verlassen
Willst du ihn hassen?
Dort ist ein Mensch, wie du Soldat
Gepresst in fremden Schicksals Rad
Hat Heimweh, Mühe, bittre Not
Umtanzt von Angst und Qual und Tod
Vom Marsch zerfressne Füße
Willst du ihn erschießen?
Dort ist ein Mensch, ein Gotteskind
Geopfert und im Elend blind
Vereinsamt, hilflos dort im Land
Ist ganz wie ich, ist ganz wie du -
Sieh ruhig seinem Gehen zu
Halt rein vom Mord deine Hand
Willy Peter Reese
(1941-1944 Soldat in Rußland)
chrodechilde ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.02.2010, 22:29   Mir selber seltsam fremd: Die Unmenschlichkeit des Krieges. Russland 1941-44 Beitrag #3 (permalink)
dschingis weiblich
Romanheld
 
Registriert seit: 01.01.2009
Beiträge: 1.867
hey chrodechilde,

danke fürs Vorstellen dieses Fronttagebuchs und Gedichts. Sehr interessant und zugleich ein trauriges Zeugnis, der Mann hatte die Kunst, den Krieg niederzuschreiben, unschädlich für seine Seele zu machen. Starke Gedanken, die er in Worte umsetzt, kommt es doch Vaterlandsverrat gleich.

Liebe Grüße,
dschingis
dschingis ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.02.2010, 19:33   Mir selber seltsam fremd: Die Unmenschlichkeit des Krieges. Russland 1941-44 Beitrag #4 (permalink)
chrodechilde männlich
Bücherwurm
 
Benutzerbild von chrodechilde
 
Registriert seit: 20.01.2008
Ort: Mitte Deutschlands (Rhön)
Beiträge: 562
...wobei man sagen muss das dieser Reese eigentlich nicht unbedingt ein Wiederstandskämper war. Er war wohl eher ein unpolitischer Schöngeist der in der Realität dieses Krieges zu überleben versuchte.
chrodechilde ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

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