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05.11.2009, 16:45
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #1 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Octopus's Garden
Beiträge: 543
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Christa Wolf - Medea. Stimmen
Broschiert: 223 Seiten
Verlag: Suhrkamp; Auflage: 3 (23. April 2009)
Sprache: Deutsch
Inhalt:
Als Frau des Argonauten Jason lebt Medea in Korinth, wohin sie ihm aus ihrer Heimat Kolchis gefolgt ist. Im königlichen Palast Korinths gerät sie in ein Spiel aus Verleumdungen, Intrigen und Lügen. Der Kampf um die Macht steht im Mittelpunkt, und Medea soll als Sündenbock geopfert werden. Die Medea der griechischen Tragödie, die Barbarin, Giftmischerin, die rachsüchtige Mörderin - hier wird diese Frauenfigur aus dem jahrtausendealten Mythos gelöst, das überkommene Bild revidiert.
(Quelle: amazon)
Meine Meinung:
Christa Wolf soll erleichtert gewesen sein, als sie herausfand, dass Euripides' Medea nicht unbedingt historisch korrekt sein muss, ja dass es sogar bereits vor dieser Überlieferung eine andere gab, die Medea von den Gräueltaten freisprach, die ihr Euripides angedichtet hatte. Ich war anfangs aufgrund der mythologischen Basis und der Struktur des Romans etwas skeptisch. Die Geschichte Medeas wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, von verschiedenen Stimmen ihrer Wahrnehmung gemäß interpretiert. Letztlich handelt es sich aber bei allen um ein und dieselbe Handlungsabfolge. Dennoch wird das Buch nicht langeweilig, ganz im Gegenteil, die verschiedenen Blickwinkel, die brilliante Sprache und die Geschichte an sich sind und bleiben so fesselnd, dass man es gern liest, sich gern in diese antike Welt versenkt ... Medea gern in einem anderen Bild sieht, wie auch immer die tatsächliche Geschichte lauten mag. Ein sehr spannendes, ungewöhnliches, aber lohnenswertes Buch !
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05.11.2009, 17:28
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #2 (permalink)
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Super-Moderator
Registriert seit: 12.02.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 3.564
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Ich habe Medea vor einem Jahr auch gelesen und hatte ein zwiespältiges Verhältnis dazu, Man kann das Buch ja auch als Schlüsselroman lesen (Medea als Christa Wolf, Korinth als das vereinte Deutschland, Kolchis als die DDR) und da kam mir das Ganze doch sehr selbstgerecht vor.
Außerdem mochte ich den Touch von Eso-Feminismus überhaupt nicht.
Sprachlich ist das Buch allerdings toll und die grundsätzliche Idee den Medea-Mythos umzuschreiben, hat mir auch gefallen.
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05.11.2009, 17:46
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #3 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 16.01.2009
Ort: Berlin
Beiträge: 530
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Ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren, weil ich Christa Wolfs Sprache als sehr präzise und klar, aber doch eben nicht eingängig empfinde.
Mit hat der Gedanke gefallen, dass alles sehr anders gewesen sein könnte. Auch wenn es nur um einem Mythos geht.
Bedrückend an der Handlung ist der Gegensatz zwischen Medeas Hellsichtigkeit und ihrer Hilflosigkeit das Unheil zu verhindern. Je mehr sie durchschaut, um so aussichtsloser wird ihre Situation. Das hat mich beim Lesen traurig gestimmt.
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05.11.2009, 17:55
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #4 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Octopus's Garden
Beiträge: 543
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Zitat:
Zitat von Clio
Ich habe Medea vor einem Jahr auch gelesen und hatte ein zwiespältiges Verhältnis dazu, Man kann das Buch ja auch als Schlüsselroman lesen (Medea als Christa Wolf, Korinth als das vereinte Deutschland, Kolchis als die DDR) und da kam mir das Ganze doch sehr selbstgerecht vor.
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Kannst du mir die Sache mit der Selbstgerechtigkeit nochmal näher erläutern ? Kann mir gerade nicht so recht vorstellen, was du meinst.
Interessant im Übrigen, die Interpretation, die du angibst, darauf wäre ich wohl nicht gekommen. (;
Zitat:
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Außerdem mochte ich den Touch von Eso-Feminismus überhaupt nicht.
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Ich hab's auch nicht mit feministischer Literatur, mitunter steht Medea im Buchhandel ja sogar bei den Frauenromanen. Dieser Eindruck stand für mich allerdings nicht im Vordergrund. Aber eventuell hab ich's auch übersehen.
Zitat:
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Bedrückend an der Handlung ist der Gegensatz zwischen Medeas Hellsichtigkeit und ihrer Hilflosigkeit das Unheil zu verhindern. Je mehr sie durchschaut, um so aussichtsloser wird ihre Situation. Das hat mich beim Lesen traurig gestimmt.
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Für mich war das Buch besonders gen Ende sehr bedrückend. Die Verurteilung und Vertreibung Medeas, der Selbstmord Glaukes, der Mord an Medeas Kindern. Ich war in der Tat etwas bedrückt, als ich es zugeklappt habe.
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05.11.2009, 18:10
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #5 (permalink)
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Super-Moderator
Registriert seit: 12.02.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 3.564
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Zitat:
Zitat von Maya
Interessant im Übrigen, die Interpretation, die du angibst, darauf wäre ich wohl nicht gekommen. (;
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Ich bin da auch nicht von alleine darauf gekommen.  Das Buch wurde, als es erschien, als Auseinandersetzung mit dem Skandal, den Christa Wolfs MP-Tätigkeiten Anfang der 90er auslöste, verstanden. Naja, und wenn man dann Medea als Selbstdarstellung Christa Wolfs liest, die sich nur von mißgünstigen, frauenfeindlichen Intriganten umgeben sieht, bleibt schon ein etwas bitterer Nachgeschmack. Ich fand es allerdings auch ein bißchen schade, dass ich diese Interpretation schon so fest im Kopf hatte, als ich das Buch gelesen habe, denn es wird dem Roman sicher nicht gerecht, wenn man ihn darauf reduziert.
Zum Thema Eso-Feminismus. Ich habe eigentlich gar nichts gegen feministische Literatur, ich liebe Jeannette Winterson zum Beispiel. Aber diese Darstellungen von Frauen als naturnäher und angebunden an irgendwelche weiblichen, göttlichen Kräfte, damit kann ich irgendwie gar nichts anfangen... Bei der Figur Medeas als Heilerin und Zauberin ist das ja automatisch schon angelegt, wobei Christa Wolf ja sehr betont, wie sehr das mit dem Weiblichsein verbunden ist.
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30.12.2009, 16:51
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #6 (permalink)
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Buchbinder
Registriert seit: 15.04.2009
Beiträge: 119
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ich hatte die schlimmsten befürchtungen, als ich mit medea. stimmen angefangen habe, denn ich habe schon von einigen seiten gehört, dass es eher furchtbar als lesenswert sein soll.
stimmt nicht!
ich habe medea in einem rutsch durchgelesen, weil es unglaublich spannend ist und eine wunderschöne sprache hat.
man wird gefesselt, fragt sich, was die königin bedrückt, was das zu bedeuten hat und was aus medea und korinth wird.
sehr interessant sind auch die verschiedenen stimmen, die die geschichte aus ihrem blickwinkel erzählen und die ganze facette der tragödie wird deutlich gemacht. am ende geht es nicht nur um das scheitern der medea, sondern auch um das scheitern korinths und das, was die macht mit den menschen macht. dieses werk gibt einem zu denken...absolut zu empfehlen!
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27.01.2010, 14:52
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #7 (permalink)
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Buchbinder
Registriert seit: 22.06.2009
Ort: Mainz
Beiträge: 102
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Medea.Stimmen
Christa Wolf ist die erste Schriftstellerin, die Medea nicht als Mörderin und Giftmischerin beschreibt. Ich habe das Buch vor langer Zeit gelesen und war fasziniert. Medea endlich einmal nicht als Täterin, sondern als Opfer. Einmalig fand ich das Buch. Und was mit den Kindern geschah ? Christa Wolf hat es offen gelassen. Die Kinder waren ihrem Vater im Weg. Sie waren Hindernis für ihn beim Kampf um den Königsthron, weil sie erbberechtigt gewesen wären.
Ich finde es erstaunlich dass weibliche Kommentatorinnen hier in dem Forum sich so vehement gegen den Feminismus aussprechen.
Ich behaupte mal frech, dass diese Kommentatorinnen Christa Wolfs Medea nicht verstanden haben.
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27.01.2010, 15:00
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #8 (permalink)
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Super-Moderator
Registriert seit: 12.02.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 3.564
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Ich würde dir wiedersprechen, dass das hier jemand getan hat. Ich habe lediglich gesagt, dass mir bestimme Spielarten des Feminismus nicht gefallen.
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28.01.2010, 08:46
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #9 (permalink)
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Bücherwurm
Registriert seit: 21.09.2008
Ort: Octopus's Garden
Beiträge: 543
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Zitat:
Zitat von Pamina
Ich behaupte mal frech, dass diese Kommentatorinnen Christa Wolfs Medea nicht verstanden haben.
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Bezweifle ich. Man kann Christa Wolf schwer von ihrem Werk trennen und Christa Wolf ist alles andere als leicht zu beurteilen, wenn man sich mal ein bisschen in der Vergangenheit umsieht. Medea ist, meines Erachtens, ein sehr guter Roman, allerdings weniger im Hinblick auf die Rolle der Frau.
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28.01.2010, 14:25
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Christa Wolf - Medea. Stimmen Beitrag #10 (permalink)
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Gesperrt
Registriert seit: 18.01.2010
Beiträge: 111
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Wenn ich schlichten darf   : Ich glaube, dass man Christa Wolf von ihrem Werk trennen muss: Christa Wolf ist nicht Medea! Allerdings versucht sie, uns das zu suggerieren, wenn sie auf Pressekonferenzen verlauten lässt, dass sie den biographischen Bezug hervorheben möchte. Damit wird sie zwar immer noch nicht zur Medea, stellt allerdings klar, dass sie sich gerne als Opfer wahrgenommen haben möchte. Wie können also aus dem Werk maximal herauslesen, wie wir anhand desselbigen interpretieren, wie Christa Wolf sich im Detail vielleicht inszenieren möchte. Allerdings finde ich persönlich auch, dass das Büchlein erst richtig gewürdigt wird, wenn man sich nicht auf Wolfs alberne Opferklamotte einlässt – da wäre der feministische Zugang, frei von biographischem Zeugs, eine Gangbare alternative. Interessant finde ich in diesem, feministischen Zusammenhang auch, das Werk als Gegenentwurf zu einer zweifelhaften Quellenkritik (ausgehend von Euripides und der Rezeption seiner Medea) zu lesen, die sich über Jahrhundert hinweg als Wahrheit behauptet, und der nun eine ebenfalls zweifelhafte Quellenkritik entgegengesetzt wird, die folgerichtig gleichsam einen Anspruch auf Wahrheit erheben kann - auf Christa Wolf würde ich das trotzdem nicht beziehen wollen.
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