Also die Lesung war wirklich schön, die Zeit ist nur so verflogen...
Man merkt doch, dass es etwas besonderes ist, wenn man die Textstellen mit der Intensität hören kann, mit der sie vom Autor geschrieben wurden.
Die vorgelesenen Passagen aus "Mein Jenseits" waren oft überraschend komisch. (Man musste doch manchmal herzhaft lachen, was ich nicht erwartet hatte.)Aber es gab auch stellen, die sehr eindringlich waren und mir (auch als jungem Menschen) sehr gut gefallen haben.
Auszug:
Ich ging immer an einer Wand entlang, die würde aufhören, dann begänne das Leben, die volle Berührung. Das war ein Irrtum. Diese Wand war das Leben.
Für die Zuhörer war es natürlich auch amüsant, ihre Heimatorte namentlich in der Novelle erwähnt zu wissen. Die Novelle spielt ja in Süddeutschland.
Die Lesung fand in der Kleinstadt Weingarten statt. (Deren "Heilig-Blut-Reliquie" diente Walser wohl auch als Vorlage für die, im Lauf der Handlung geraubte Reliquie.)
Das geschätzte Durchschnittalter der Zuhörerschaft: 55+
Sehr schade, dass sich nicht mehr junge Leute dafür begeistern konnten.
Aber vielleicht ist das ja in größeren Städten anders...
Das Buch habe ich mir zwar noch nicht gekauft, werde dieses Versäumnis aber wohl demnächst nachholen.