Hm. Ich habe den Artikel gelesen und bin mir nicht sicher, ob ich das Buch lesen will. Das hat mehrere Gründe, doch der für mich wichtigste ist, dass es aus literarischer Sicht egal ist, wer Shakespeare war. Ich sage dies nicht einfach so, quasi aus der Luft gegriffen heraus, sondern auf Grund folgender Überlegung: Ein Werk wird immer von einem Leser interpretiert. Dabei spielt sowohl die Intention als auch die Person des Autors keine (oder nur eine untergeordente) Rolle: Wenn ein Leser meint zu wissen, Romeo sei schwul, weil er "Strumpfhosen" trug, dann hilft alles nichts.
Umberto Eco hat über die Bedeutung des Autors bzw. der Interpretation eines Werkes ein interessantes Buch geschrieben: Die Grenzen der Interpretation. Hier alles wiederzugeben würde zu weit führen, allerdings weist er dem tatsächlichen Autor letztenendes lediglich eine untergeordnete Rolle zu.
Eine andere Forschungsrichtung aus Frankreich kommend hat schon in den 1970er Jahren den Autor als unwichtig eingestuft, weil ja eh alles aus der Gesellschaft in der er lebt käme, um auch diesen Zusammenhang einmal auf die Schnelle zusammenzufassen.
Wenn das alles stimmt, die Rolle des Autors für die Interpretation des Textes keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt, warum ist es dann wichtig den Autor eines Werkes zu kennen? (Abgesehen natürlich von marktwirtschaftlichen Gründen, der Wiedererkennbarkeit usw.) Zumal wir wahrscheinlich sowieso niemals Sicherheit haben werden, wenn nicht irgendwo ein alter Zettel auftaucht, der alles aufklärt oder bestätigt oder was weiß ich.
Der beste Beweis dafür ist ja gerade das Phänomen Shakespeare: Seit Jahrhunderten gibt es keine Gewissheit über die Autorenschaft und dennoch machten die Shakespeareschen Stücke Fourore weil sie - unabhängig von dem Wissen um die Autorenschaft - einfach genial sind.
Warum also soll ich ein Buch über Spekulationen zur literarischen Person Shakespeare lesen, wenn es eigentlich egal ist wer er war und mir das Wissen um diese Spekulationen nur meinen wohlbehüteten Mythos "Shakespeare" madig machen würde? Etwas anders wäre es natürlich, betrachtete man Shakespeare als historische Person. Aber hier unterhalten wir uns ja über Literatur und nicht über Geschichte
Liebe Grüße
Dieter.