Hallo ihr
Ich versuche gerade für die Schule das Gedicht "Wenn einer fortgeht..." von Mascha Kaléko zu interpretieren und tue mich leider mit so etwas immer ein wenig schwer.. Würde mich daher sehr freuen wenn ihr vielleicht eure Assoziationen und Gedanken dazu mit mir teilen könntet !
Das Gedicht :
Wenn einer fortgeht, gibt man sich die Hände,
Am Bahnhof lächelt man, so gut es geht.
Wie oft sind unsrer Sehnsucht Außenstände
Mit einem D-Zug schon davon geweht...
Wenn einer fortfährt, steht man zwischen Zügen,
Und drin sitzt der, um den sich alles dreht.
Man könnte dieses "alles" anders fügen.
Durch einen Blick, ein Wort vielleicht. – Zu spät.
Wenn einer fortfährt geht das Herz auf Reisen
Und treibt sich irgendwo allein herum
Es ist schon manchmal schwer, nicht zu entgleisen.
Die klügste Art zu reden bleibt doch: stumm.
Wenn einer fortgeht, kann man nichts vergessen.
Und jeder Tag ist ein Erinnerungsblatt.
Wenn einer fortgeht, braucht man nichts zu essen.
Man wird so leicht vom Tränenschlucken satt.
Wenn einer fort ist, gibt es Ansichtskarten
Und ab und zu mal einen dicken Brief.
Ein schweres Verbum ist das Wörtchen "warten"
Und "lebe wohl" ein Schluss – Imperativ...
Das Thema des Gedichtes ist ja eindeutig, es geht um Abschied.
In der 1. Strophe hatte ich mir überlegt, dass man beim Abschied oft auch falsche Emotionen vorspielt und seine eigenen Gefühle nicht zeigt und dass durch einen Abschied die Sehnsucht nach dem fortgegangenen Menschen steigt. Ich bin mir halt nicht so sicher was mit "unserer Sehnsucht Außenstände" gemeint ist.. Außenstände bedeutet ja sowas wie unbezahlte Forderungen,also vielleicht, dass die Sehnsucht durch das Fortgehen eines geliebten Menschens nicht erfüllt wird?
In der 2. Storphe geht es meiner Meinung nach darum, dass man nichts tut um den geliebten Menschen am Fortgehen abzuhalten, obwohl man dies vielleicht durch Worte tun könnte. Stattdessen schweigt man und lässt die Person mit dem Zug davon fahren.
Bei der 3. Strophe war ich mir sehr unsicher, vielleicht ist damit gemeint, dass man den fortgegangenen Menschen sehr liebt, und dass deswegen das Herz an diesem Menschen hängt und daher ständig bei ihm ist. Allerdings weiß ich nicht , was mit diesem allein herumtreiben gemeint ist..Man tut sich schwer mit der Trauer, drüber sprechen scheint aber nicht zu helfen, vielleicht weil man dabei zu emotional wird, daher ist es besser die Gedanken für sich zu behalten.
Die 4. Strophe thematisiert die Trauer darüber, dass jemand fortgegangen ist. Man muss ständig an diese Person denken,verdrängt sie also nicht aus dem Gedächtnis, hat evtl auch keinen Appetit mehr, was ja typisch ist wenn man traurig ist. Ich weiß allerdings nicht was genau das "Erinnerungsblatt" bedeutet.
Die 5. STrophe fand ich auch ein wenig schwierig. Mir kommt es so vor, als wäre der Abschied von der Person für immer, und ein Wiedersehen ist nicht in Sicht, da man nur Ansichtskarten etc bekommt. Ich hatte ursprünglich mal überlegt ob das Gedicht vielleicht auch mit Tod zu tun haben könnte, aber dazu würde dann nicht mehr passen, dass man noch Briefe bekommt.. Auch Deportationen kann ich mir irgendwie in dem ZUsammenhang nicht erklären, weil man wohl kaum mit einem D-Zug deportiert wurde.
Was mir außerdem aufgefallen ist, ist dass Strophe 1-4 im Grunde davon reden, was los ist, wenn jemand fortgeht, während die letzte Strophe darüber berichte, was los ist, wenn jemand fortgegangen ist.
Außerdem habe ich überlegt, wieso Mascha Kaléko dieses Gedicht geschrieben hat, und ich habe desöfteren gelesen, dass Abschied ein wichtiges Thema in ihrem Leben war, da sie ja z.B. auch ins Exil gegangen ist und vermutlich eine Menge Leute zurücklassen musste. Ich bin mir nicht ganz sicher ob das lyrische Ich in diesem Gedicht derjenige ist, der weggeht oder der zurückbleibt. Ich tendiere allerdings eher zu dem Zurückgebliebenen.
Soweit bin ich bisher gekommen, aber mir liegt die Interpretation von Gedichten leider nicht so sehr und deswegen würde ich mich über ein wenig Hilfe sehr freuen!
Danke